Für wen ist eigentlich Barrierefreiheit?

Eine Rampe ermöglicht den Zugang für Menschen im Rollstuhl.

Das wissen wir. Und oft hören die Gedanken genau dort auf.

Was wir aber immer noch häufig vergessen: eine Rampe ermöglicht den Zugang auch für Eltern mit Kinderwagen, für Reisende mit Koffern, für ältere Menschen mit Rollator, für jemanden, der die Treppe einfach nicht hochsteigen kann oder möchte. Oder oder oder…

Die gleiche Nutzungsflexibilität gilt grundsätzlich für die meisten barrierefreien Lösungen. Deshalb heißen sie ja barrierefrei und nicht etwa „nur-für-Menschen-mit-dieser-einen-Krankheit“ – auch wenn es oft so wirkt, als würde man genau das denken.

Barrierefreie Lösungen beseitigen Barrieren. Für alle, die wegen solcher Barrieren am Alltagsleben oder an der Gesellschaft nicht teilhaben können. 

Infografik in Form einer Tabelle mit Illustrationen divers aussehender Menschen. Sie zeigt drei Arten von Einschränkungen: permanent, vorübergehend und situativ, geordnet nach Sinne: Bedienen (z. B. eine Person mit einem Arm, eine Person mit Armverletzung und eine Person mit vollen Händen), Hören (Gehörlosigkeit, Ohrinfektion, Person in lauter Umgebung), Sprechen (nonverbal, Heiserkeit, starker Akzent), Sehen (Blindheit, nach Augen-OP, Sonnenblendung) und Verstehen (Alzheimer, Erschöpfung, Ablenkung)

Barrierefreiheit ist für ALLE

Noch besser wäre es natürlich, wenn die Barrieren gar nicht erst aufgebaut worden wären.

Deshalb spricht man von „Design für alle“. Für alle, die es brauchen. Oder mögen.

Und das sind sehr viele – nicht nur Menschen mit einer angeborenen schweren Behinderung. Dazu gehören auch Menschen, die temporär eingeschränkt sind, zum Beispiel weil sie krank geworden sind oder sich verletzt haben.

Oder Menschen, die einfach die Hände voll haben, eine schwere Tasche tragen oder eine fremde Sprache nicht verstehen.

Ein automatischer Türöffner hilft zum Beispiel nicht nur jemandem mit einem Rollator, sondern auch jemandem, der ein Kind auf dem Arm hat und deshalb die Tür nicht manuell öffnen kann.

Leichte Sprache hilft nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten, sondern auch denen, die eine Fremdsprache lernen. Außerdem bietet sie eine effektivere Informationsübersicht.

Piktogramme können orientierungslosen Reisenden helfen. Untertitel vermitteln nicht nur gehörlosen Menschen Informationen, sondern ermöglichen auch in einer lauten Bar das Verfolgen der Kommentare der Fußballübertragung auf dem Bildschirm.

Hauptsache: Es schadet niemandem.

Was viele denken, wer von Barrierefreiheit profitiert (zwanzig Silhouetten, von denen nur zwei grün gefärbt). Wer tatsächlich von Barrierefreiheit profitiert (alle zwanzig Silhouetten grün)

Barrierefreiheit ist keine besondere Lösung

Barrierefreiheit ist wichtig von Anfang an.

Es funktioniert für alle. Alle profitieren davon.

Das zu vergessen heißt, wir schaffen einen exklusiven Raum. Zu sagen, dass es ja nicht so wichtig sei, weil es nicht so viele Besucher*innen im Rollstuhl gibt, ist exkludierend und vergisst außerdem alle anderen, die ebenfalls von der Lösung profitieren.

Barrierefreiheit ist keine besondere Lösung.

Es bedeutet einfach nur, dass wir als Planende niemandem den Zugang verwehren.

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